Nora und Tim vor Kameras neben Bildschirmen in Holzrahmen, sitzend

C2C konkret: Viele Beispiele aus der Praxis beim C2CC21

Etappe 2: Mainz – produziert in Berlin

 

Die zweite Etappe des C2CC21 hat gezeigt, dass Cradle to Cradle in vielen Teilen der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bereits angekommen ist. Verschiedene bundes- und landespolitische Entscheidungsträgerinnen sowie Unternehmensvertreter*innen schalteten sich digital zum Congress zu und zeigten mit spannenden Best Practise Beispielen, dass sich Cradle to Cradle in vielen Bereichen bereits umsetzen lässt.

 

C2C regional und bundesweit – unter diesem Motto hatten wir verschiedene Politikerinnen dazu eingeladen, über C2C-Ansätze in ihrer Region zu berichten. Bundesumweltministerin Svenja Schulze, die bereits zum zweiten Mal in Folge Schirmherrin des C2C Congress ist, stellte in ihrem Grußwort Cradle to Cradle als zukunftsfähigen Ansatz heraus: “Nachhaltiges Produktdesign ist ein entscheidender Ansatz, damit die Produkte von heute nicht der schnelle Abfall von morgen werden”, sagte sie.

Cradle to Cradle in Mainz

 

Die Landespolitik war ebenfalls vertreten: Auch wenn wir die zweite Etappe des C2CC21 nicht wie geplant vor Ort in Mainz veranstalten konnten, lag der Fokus weiterhin auf den C2C-Ansätzen der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Manuela Matz, Wirtschaftsdezernentin von Mainz, bezeichnete Cradle to Cradle im Gespräch mit C2C NGO als “sehr wichtiges und zukunftsweisendes Thema”. Der Ansatz lege den Finger in die Wunde, da es unser aller Pflicht sei, Konzepte zu entwickeln, wie wir die Wirtschaft in andere Bahnen lenken können. In Mainz würden beispielsweise Textilien aus kompostierbaren Stoffen entwickelt. “Wir sehen auch in Mainz, dass viele sich nicht nur Gedanken machen, sondern auch gründen”, sagte Matz. Nachholbedarf sieht sie dabei noch beim Thema öffentliche Beschaffung. Hier müssten Parameter gesetzt werden, um auch den Einkauf der öffentlichen Hand zu einem Beschleuniger für die Transformation hin zu einer C2C-Ökonomie zu machen. Eine neue Landesverordnung solle nun dafür sorgen, dass Nachhaltigkeit in der kommunalen Beschaffung künftig eine größere Rolle spielt. Ein wichtiger Hebel, mit dem Städte und Gemeinden Cradle to Cradle vorantreiben können. Die Hebelwirkung von öffentlicher Beschaffung wird übrigens auch ein wichtiges Thema bei unserer dritten Congress-Etappe am 4. November in Mönchengladbach sein.

Auch Katrin Eder, Staatssekretärin im Umweltministerium Rheinland-Pfalz, war zugeschaltet. Das Bundesland habe sich die ambitioniertesten Klimaschutzziele in Deutschland gesetzt, sagte Eder. Die Abfallwirtschaft spiele dabei eine wichtige Rolle. Heutige Zahlen zu Recycling sehe sie kritisch, da sie nicht den Anteil von Materialien zeigten, der tatsächlich wiederverwertet werde. Eine wichtige Rolle spiele auch Umweltbildung, betonte Eder. Umwelt- und Klimathemen sollen verstärkt in die Lehrpläne eingebunden werden und außerschulische Lernorte gefördert werden.

Kein Müll, sondern wertvolle Ressourcen

 

In der ersten Keynote des Tages stellte Marcella Hansch, Gründerin & CEO von Everwave, ihren Lösungsansatz für den zunehmenden Müll in der Umwelt, besonders in den Meeren, vor. Everwave entwickelt Technologien, um Plastik und andere Abfallstoffe aus Flüssen zu entfernen, noch bevor die Stoffe die Ozeane erreichen. “Für uns ist es kein Müll, sondern eine wertvolle Ressource”, betonte Hansch. Doch das Ziel müsse sein, dass zu 100 Prozent auf Virgin Plastic verzichtet wird. “Recycling muss bezahlbar gemacht werden”, sagte Hansch in ihrer Keynote. Damit perspektivisch gar kein Plastik mehr in den Ozeanen lande, brauche es “Design for Recycling”. Heute fische Everwave beispielsweise viele Verbundstoffe aus Flüssen. Die seien nur schwer oder nicht recycelbar.

 

Kunststoffe in der Textilbranche

 

Eine weitere Branche, die viel Kunststoff einsetzt und gleichzeitig zu den schmutzigsten Wirtschaftszweigen überhaupt gehört, ist der Textilsektor. Doch auch hier findet langsam Wandel statt, wie Dr. Jenny Shao in ihrer Keynote sagte. Shao ist Global Partner bei Fosun International sowie Executive President der Fosun Fashion Group. Fosun ist das größte privatwirtschaftliche Konglomerat Chinas und einer der größten chinesischen Investoren. In ihrer Funktion ist Shao unter anderem Aufsichtsrätin bei der Wolford AG, die seit vielen Jahren bereits C2C-Textilien herstellt. Als kunststoffverarbeitende Branche liege es auch in der Verantwortung der Textilwirtschaft, sich zu überlegen, wie sie mit dem Problem Plastikmüll umgehe.

 

Wolford setzt ein Polymer ein, dass im technischen Kreislauf zirkulieren kann, gleichzeitig aber auch biologisch abbaubar ist. Die entsprechende Produktgruppe soll Shao zufolge ausgebaut werden. Ziel sei es, in den nächsten drei Jahren die Hälfte aller Produkte nach C2C zu fertigen. Shao kam zudem darauf zu sprechen, dass nachhaltige Geschäftsmodelle eine immer größere Rolle bei den Investitionsentscheidungen wichtiger Finanzakteure spielen. “Als Investor schätzen wir die Marke Wolford sehr. Nicht nur, weil sie eine lange Historie hat, sondern weil Substanz hinter der Marke steckt: Die Qualität der Produkte, die Technologie dahinter und C2C ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Innovationsfähigkeit von Wolford”, so Shao. Dabei sei das Thema auch bei den anderen Marken im Fosun-Portfolio, darunter auch Tom Tailor, ein wichtiges strategisches Thema und soll in den kommenden Jahren weiter verfolgt werden.

Der Markt für recycelten Kunststoff funktioniert nicht

 

In der dritten Keynote des Tages stellten Marius Ehrlinspiel von der Beratung Wider Sense sowie Cirplus-CEO Christian Schiller eine aktuelle Studie vor, die den Markt für recycelten Kunststoff untersucht und dabei zu einem eindeutigen Schluss kommt, wie Ehrlinspiel zusammenfasste: “Der Markt für recycelten Kunststoff funktioniert nicht.” Eines von zahlreichen Problemen sei der Preis, der für neu produzierten Kunststoff im Einkauf zwischen 20 und 30 Prozent unter dem von Rezyklat von vergleichbarer Qualität liege. Das gehe auf entsprechende Subventionen und die etablierte Wertschöpfungskette bei Virgin Plastic zurück. Schiller ergänzte, dass ein systemischer Ansatz gefragt sei, um für gleiche Wettbewerbsbedingungen auf dem Markt für neue und recycelte Kunststoffe zu sorgen. “Denn nichts funktioniert so gut, wie wenn man in der Marktwirtschaft damit Geld verdienen kann”, sagte er. 

 

Wir müssen viel mehr tun

 

Im Gespräch mit Nora und Tim berichtete anschließend der Leiter der ZDF-Umweltredaktion, Volker Angres, von annähernd 30 Jahren Berichterstattung über Umwelt- und Klimathemen. In dieser Zeit sei das Bewusstsein für das Thema gestiegen. “Man muss heute nicht mehr erklären, dass es den Klimawandel gibt. Aber ob wir in der Sache weiter gekommen sind, ist eine andere Frage. Tatsächlich habe ich rund 30 Jahre Ankündigungspolitik erlebt”, so Angres. Auch der “eindimensionale Blick aufs Klima” habe dabei nicht geholfen. Angres’ Appell: “Wir müssen viel, viel mehr tun!” Um endlich ins Handeln zu kommen, haben wir als NGO übrigens ein Politik-Briefing an die künftige Bundesregierung geschrieben. Darin enthalten: Zehn Chancen für den Aufbruch in eine intakte Zukunft nach Cradle to Cradle. So geht morgen!

 

Blog I: Drei Panels, zehn Speaker*innen, viele C2C-Lösungen

Blog II: Einblicke in die Zukunft der Kunststoffe beim C2CC21

Nora und Tim vor Kameras neben Bildschirmen in Holzrahmen, sitzend