Am 17. November 2020 war der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt,  Alexander Bonde, bei uns zu Gast im LAB Talk. Die DBU wird auch „the largest organisation you never heard of before” genannt, sagte Bonde halb im Scherz, obwohl sie die größte Umweltstiftung Europas ist. Mit jährlich 60 Millionen Euro fördert die Organisation Projekte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in den Bereichen Umwelttechnik, Umweltforschung und Umweltbildung. Damit möchte die DBU dabei unterstützen, innovative Lösungen für Umweltprobleme zu finden. In unserem LAB Talk unterhielt sich Bonde mit Nora über die Bedeutung des deutschen Mittelstandes, die richtigen politischen Rahmenbedingungen für umweltfreundliche Innovation und darüber, warum sich die DBU manchmal wie Bob der Baumeister fühlt. 

Alexander Bonde hat sich schon in der Vergangenheit als Fan von Cradle to Cradle entpuppt. Unter anderem, als er uns vor gut einem Jahr in unserem C2C LAB in Berlin besucht hat. Mit dem Green Deal der EU, sagte er nun im Gespräch mit Nora, sei auf europäischer Ebene im Bereich Circular Economy schon viel passiert, allerdings müsse nun auf Bundesebene auch nachgelegt werden. „Technologisch haben wir in Deutschland unheimlich viel Potential, aber dass die Frage beim Design und bei der Produktplanung losgeht, die ist leider in anderen politischen Diskursen ausgeprägter”, so Bonde.

Fokus der DBU auf das Thema Circular Economy

Auch die DBU will in Zukunft einen Fokus auf Circular Economy legen. Bonde zufolge soll in den nächsten drei Jahren ein zweistelliger Millionenbetrag in den Bereich CE fließen. „Die Frage, wie bekommen wir eigentlich Ressourcen in Kreisläufe, ist eine der ganz zentralen Umweltfragen der nächsten Jahre, sowohl in der Frage Klimaschutz als auch weit darüber hinaus”, so der Generalsekretär. Er und Nora waren sich einig, dass wir ein anderes Verhältnis zum Umgang mit Ressourcen und Materialien brauchen. Bonde betonte, dass bereits bei der Planung eines Produkts darüber nachgedacht werden muss, wie die verwendeten Materialien am Ende im Kreis laufen können. Er stimmte Nora zu, dass die Klimakrise nicht die einzige große Herausforderung sei: Es gebe noch weitere, genauso drängende ökologische Fragen, wie zum Beispiel die Ressourcenfragen oder auch der Verlust von Biodiversität: „Man wird die Probleme nicht lösen, indem man sie von einem Krisenbereich in den anderen verschiebt, sondern wir müssen sie wirklich lösen.”

Welche Rolle spielt der Mittelstand bei der Lösung von Umweltfragen?

Neben der Circular Economy hat die DBU einen ganz besonderen Fokus auf mittelständische Unternehmen. Das erklärte Bonde damit, dass KMU (kleine und mittlere Unternehmen) oft als Impulsgeber funktionieren und neue Ideen in die Märkte bringen. Die DBU möchte diesen Unternehmen dabei helfen, innovative Ideen aus dem Bereich Umweltschutz voranzubringen. Nora bestätigte, dass sich auch in Sachen C2C häufig mittelständische Unternehmen engagieren und oftmals direkt die gesamte Produktion nach Cradle to Cradle umstellen. Bonde hob hervor, dass dieses innovative Denken des Mittelstandes auch durch Corona nicht gebremst worden sei, im Gegenteil: Die DBU verzeichnete im Jahr 2020 ein Hoch an gestellten Anträgen. „Die Coronakrise hat die Frage der Nachhaltigkeit in Geschäftsmodellen vielleicht medial überlagert, aber in der Wirtschaft ist die Debatte voll entbrannt”, so Bonde.

Digitalisierung und die richtigen politischen Rahmenbedingungen

Ein weiteres Thema, das in diesem LAB Talk diskutiert wurde, war Digitalisierung. Nora erklärte, dass Digitalisierung für die Umsetzung von Cradle to Cradle in der Praxis enorm wichtig sei, da so digitale Materialausweise erstellt werden können, die genau dokumentieren, welche Materialien in Produkten enthalten sind. Bonde hob ebenfalls die Vorteile durch Digitalisierung für Unternehmen hervor, ergänzte aber auch, dass die Digitalisierung einen nachhaltigen Rahmen brauche, damit sie nicht als Brandbeschleuniger für große Umweltprobleme wirke. Die Kreislaufführung von beispielsweise Halbleitern sei eine große Herausforderung und müsse mitgedacht werden. Dafür brauche es aber auch die richtigen politischen Rahmenbedingungen. An dieser Stelle betonte Nora, dass genau das auch Aufgabe unserer NGO sei: Politisch Druck auszuüben, damit sich genau solche Rahmenbedingungen verändern. Vorgaben aus der Politik, da waren sich beide einig, werden auch gebraucht, um reale Preise abzubilden, auch über einen realistischen Preis für CO2 hinaus. Bonde erläuterte, dass durch falsche Anreize verhindert würde, dass gute Produkte auf den Markt kommen: „Die Nicht-Bepreisung vom CO2-Ausstoß ist ein reales Markthindernis für moderne, innovative Produkte. Nora ergänzte, dass nicht nur Gewinne privatisiert werden sollen, sondern auch der Schaden, den ein Produkt zum Beispiel der Umwelt zufügt. Aus Sicht der DBU als Innovationsförderer, so Bonde, sei es eine große Hürde, dass es keine realen Preise gibt: „Wir sind überzeugt, dass wir einen Marktrahmen brauchen, der Innovationen nicht verhindert, sondern sie über die wahren Kosten anregt und so die guten Produkte in den Markt lässt.”

Umweltbildung als Bindeglied

Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen der DBU und unserer NGO ergab sich beim Thema Umweltbildung. Genau wie wir möchte auch die DBU das richtige „Mindset” nicht nur in die Politik, sondern auch in die Gesellschaft bringen. Bonde betonte die Bedeutung von Best Practice Beispielen, die zeigen was schon geht, aber auch Druck machen können, damit man sich nicht auf dem Erreichten ausruht. Zur Rolle der DBU in diesem Zusammenhang sagte er: „Wir fühlen uns wie der Bob der Baumeister der Umweltbewegung. Bei uns geht es immer darum, welche Werkzeuge wir schon haben und wie man damit etwas ganz Konkretes lösen kann.” Bonde und Nora betonten beide, dass man zwar schon viel erreicht habe, aber es auch noch viel zu tun gebe. Man müsse nun eine positive Perspektive aufzeigen.