Der 20-Punkte-Plan von Wirtschaftsminister Altmaier ist noch etwas orientierungslos, hat aber den richtigen Weg eingeschlagen — als C2C NGO sind wir bei der Zieleingabe gern behilflich.

Vermutlich waren wir ähnlich überrascht wie der Rest der Öffentlichkeit und das nähere berufliche Umfeld von Peter Altmaier, als er kürzlich seinen „Vorschlag für eine Allianz von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat für Klimaneutralität und Wohlstand“ veröffentlichte. Positiv überrascht waren wir unter anderem, weil Herr Altmaier darin die pikante Frage aufwirft, warum „das Anliegen des Klimaschutzes scheinbar immer wieder anderen Notwendigkeiten untergeordnet wird“ — wobei „scheinbar“ hier ersetzt werden müsste durch „tatsächlich“. Auch wenn wir das große Ziel, klimaneutral zu wirtschaften, hinter uns lassen und stattdessen klimapositiv agieren möchten, können wir ihm in der groben Richtung folgen: Ökologie und Ökonomie sind nicht nur voneinander abhängig, sondern gemeinsam unschlagbar.

Doch neben den vielen sehr ambitionierten, aber leider auch etwas kleinteiligen Ideen des Wirtschaftsministers fehlen in seinem Vorschlag zwei zentrale Begriffe: Kreislaufwirtschaft und Ressourcen. Ohne sie mangelt es dem Papier am Blick fürs große Ganze, denn eine nachhaltige Umweltpolitik kann nur ganzheitlich funktionieren. Dämmstoffe und Solarzellen veranschaulichen das leider perfekt: Sie reduzieren die Treibhausgasemissionen rigoros, werden aber nicht kreislauffähig gebaut und werden daher ebenso rigoros zu Sondermüll — so helfen sie uns im Kampf gegen die Klimakrise, verschärfen dabei aber die Ressourcen- und Müllkrise.

Dass Altmaiers Papier diesen ganzheitlichen Politikansatz vermissen lässt erstaunt uns aus zwei Gründen: Erstens hat die Europäische Kommission in ihrem Circular Economy Action Plan bereits vor fünf Jahren 54 Maßnahmen beschlossen, mit denen der Übergang Europas zu einer Kreislaufwirtschaft beschleunigt werden soll; dieser Aktionsplan ist einer der wichtigsten Teile des European Green Deal, wird aber von Altmaier nicht erwähnt. Zweitens hat die Bundesregierung mit dem Umweltbundesamt eine große und gut aufgestellte Behörde an der Hand, die exakt dieses Problem erkannt und in ihrer RESCUE-Studie mehrere Wege in eine ressourcenschonende Treibhausgasneutralität aufzeigt —auch die werden von Herrn Altmaier nicht berücksichtigt.

Statt also eine „Charta für Klimaneutralität“ zu fordern, muss sich die Bundesregierung zu einer „Charta für Kreislauffähigkeit“ bekennen; dann können wir nicht nur die wertvolle Ressource CO2 in endlosen Kreisläufen führen, sondern auch alle anderen Ressourcen dieses Planeten. Statt nur Steuern auf Treibhausgase zu erheben, sollten wir auch den Verbrauch von Rohstoffen besteuern. So ließen sich die reellen Preise aller Produkte abbilden – eine Produktionsweise und ein Konsum, die Ressourcen verschwenden und damit Umwelt wie Klima schädigen, würden sich schlicht nicht mehr lohnen. Und statt eine Klima-Universität zu bauen, müssen wir das Bewusstsein für umfassend öko-positives Handeln und die technologischen Grundlagen dafür in allen Bereichen der Bildung vermitteln.

Während also die Durchschnittstemperaturen und die Müllberge auf der Erde ansteigen, rufen wir allen Verantwortlichen zu: Die Richtung stimmt. Das Engagement für wirksamen Umweltschutz ist inzwischen da und das Ziel ist ebenfalls bestimmt: Eine Wirtschaftsweise, in der wir Menschen nichts mehr auf den Müll werfen, sondern nach dem Vorbild der Natur alles in endlosen Kreisläufen führen — Cradle to Cradle. Jetzt muss der 20-Punkte-Plan nur noch darum ergänzt werden.