von hinten Technik und Publikum sitzend vor Bühne

C2C konkret – Umsetzungsmöglichkeiten für Unternehmen, Städte und Gemeinden

Etappe 3: Mönchengladbach

Neben interessanten Inputs und Vorträgen war die dritte Etappe des internationalen Cradle to Cradle Congresses 2021 auch dafür da, ins Gespräch zu kommen. Drei interaktive Foren boten die Gelegenheit zum Austausch über die wichtigen C2C-Themen Bauen, Drucken und Standards für Zirkularität auf kommunaler Ebene. Es ging um blühende Visitenkarten und darum, wie ganze Städte zu Materiallagern werden können.

 

Das Druckwesen, der Bausektor und die kommunale Entwicklung verfügen über einen riesigen Hebel bei der Erreichung von Klimazielen und der Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft nach C2C. Aus diesem Grund widmete der C2CC21 jedem der drei Bereiche ein eigenes Forum, bei dem Expert*innen und Besucher*innen zu diversen tagesaktuellen Themen ins Gespräch kommen konnten.

 

Im ersten Forum sprachen Eva Schmidt, Herstellungsleiterin Buch beim Franck-Kosmos Verlag, und Markus Vögeli, Geschäftsführer der Vögeli AG Marketingproduktion & Druck, über zukunftsfähigen Druck nach C2C. Der Kosmos-Verlag drucke seit 2016 nach C2C-Kriterien, so Schmidt. Inzwischen würden 80 Prozent der Gartenbücher und viele Kinderbücher materialgesund und kreislauffähig gedruckt. 2020 habe eine Preissteigerung von 50 Prozent beim Papierpreis das Geschäft stark beeinträchtigt. Daher sei es wichtig, parallel Alternativen zum Druck auf Papier zu entwickeln, die in technischen Kreisläufen zirkulieren können. “Wir wollen ja am Ende nicht alle Holzfäller bleiben”, so Schmidt. Vögeli betonte, dass C2C-Produkte eine hohe Glaubwürdigkeit genießen. “Wir beweisen täglich, das C2C möglich ist. Wir brauchen jetzt viele Kunden, die das Produkt kaufen, unser Know-How übernehmen und sich an unserem Wissen beteiligen”, ergänzte er.

 

Beide räumten ein, dass die Umsetzung von C2C jedoch auch mit einigen Herausforderungen einhergeht – sowohl extern als auch intern. „C2C ist ein Thema, das man erklären muss“, so Schmidt. Dies sei mitunter schwierig auf dem Rücken eines Kinderbuches umzusetzen. Auch Vögeli stimmt zu, dass man sich bei der Umsetzung manchmal die Samthandschuhe ausziehen müsse. Doch es lohnt sich. “Der Mehrwert von Produkten, die mit C2C gedruckt sind, ist die hohe Glaubwürdigkeit”, so Vögeli, der mit seiner Firma auch klimapositive Produkte, wie Visitenkarten mit integrierten Blumensamen vertreibt. Die Karte von heute als der Strauß von morgen – so geht C2C. 

Bau-Handreichung für C2C

 

Wie lässt sich ein Bau-Projekt nach C2C-Kriterien umsetzen, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gibt es und wie steht es um die Finanzierung? Diesen Fragen widmete sich das zweite interaktive Forum. Hier stellten Lena Junker aus dem Referat Kommunale Entwicklung von C2C NGO, Florian Andrews von der Nordakademie-Stiftung und Gunnar Tessin, Architekt und Ehrenamtlicher im Bündnis Bau & Architektur von C2C NGO die gemeinsam entwickelte und verfasste Handreichung für C2C-Bau in Kommunen vor. Ergänzt wurde das Panel von der Wirtschaftsprüferin, Steuerberaterin und Managing Partner bei TS.advisory, Stefanie Voit, sowie von Wolfgang Saam, Abteilungsleiter Klimaschutz, Energiepolitik und Nachhaltigkeit beim Zentralen Immobilien Ausschuss e.V..

 

Saam bezeichnete in seiner kurzen Einführung ressourceneffizientes Handeln als gesellschaftliche Verantwortung, das gelte auch für die Immobilienbranche. Finanzierungsbedenken dürften dabei nicht im Vordergrund stehen. “Wenn man C2C richtig denkt, gestalten sich vermeintliche Kosten auch ganz anders”, sagt er. Dieser Punkt wird auch in der Handreichung “C2C im Bau: Orientierung für Kommunen” ausführlich behandelt. Die Handreichung ist ein gemeinsames Projekt von C2C NGO und der Nordakademie. “Wir haben uns gefragt, woran es liegt, C2C im kommunalen Bau nur selten eingebracht wird. Meist ist das fehlende Erfahrung und genau das wollen wir mit dem Leitfaden ändern”, begründete Andrews das Engagement der Nordakademie-Stiftung. 

 

Wir haben wirklich versucht alle Fragen, die aufkommen könnten, zu umfassen”, so Junker. Dennoch sei die Handreichung in Form einer nicht-linearen Webseite als Projekt gedacht, das sich stetig weiterentwickeln soll. Das soll ebenso wie die bisherige Arbeit daran unter Einbeziehung möglichst vieler Expert*innen geschehen. Viele davon finden sich im ehrenamtlichen Bündnis Bau & Architektur von C2C NGO, zu dem Gunnar Tessin zählt und das einen großen Teil des Inhalts eingebracht hat. Tessin betonte, dass in einem Bauprojekt nach C2C alle umsetzenden Betriebe schon früh in die Planung einbezogen werden müssten. “Je früher man Cradle to Cradle implementiert, desto besser für das Gesamtprojekt”, sagte er. Voit betrachtete das Thema C2C im Bau aus der finanziellen Perspektive und brachte sich als Expertin in die Erstellung der Handreichung ein. Für Investor*innen sei es wichtig, dass alles, was verbaut werde, mit einem Wert hinterlegt sei. Das ist bei C2C durch kreislauffähige Materialien und modulare Bauweise der Fall. “Die Nachfrage nach Cradle to Cradle-Gebäuden wird in den nächsten Jahren deutlich stabiler werden”, zeigte sich Voit sicher.

Standards als Treiber einer Kreislaufwirtschaft nach C2C

 

Das dritte interaktive Forum beschäftigte sich mit der Frage, wie Standards zu Bausteinen für zirkuläre Kommunen werden können. Kommunen können, beispielsweise durch eine öffentliche Beschaffung, die standardisiert nach C2C gestaltet ist, einen enormen Einfluss auf die Entwicklung einer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaft ausüben. Darüber, wie solche Standards realisiert werden können, diskutierten René Lindner, Leiter des Smart City Standards Forum des Deutschen Institut für Normung, Tim Bagner, Referent für Energie-, Wasser- und Abfallpolitik beim Deutschen Städtetag, Andrea Heil, Consultant bei EPEA GmbH – Part of Drees & Sommer und Klaus Illigmann, Abteilungsleiter im Referat Stadtplanung und Bauordnung in München. Moderiert wurde das Forum von Joachim Schonowski, Principal Business Consultant Smart Sustainable Cities der msg systems ag, sowie Amelie Leipprand, Senior Projektmanagerin DIN Young Professionals.

 

Leipprand stellte die DIN als Infrastruktur vor, die genutzt werden könne, um sich mit anderen Akteur*innen der eigenen Technologie zusammenzusetzen, auszutauschen und Gemeinsamkeiten festzulegen. Das gelte auch im Kontext von Nachhaltigkeit und Circular Economy in Kommunen, insbesondere verbunden mit Digitalisierung, so Schonowski. Beim DIN gebe es daher zahlreiche Initiativen und Projekte, die sich damit beschäftigten, Städten eine Orientierung für ihre zukunftsfähige Entwicklung zu bieten. “Das Smart City Standards Forum ist eine Vernetzungs- und Informationsplattform mit verschiedenen Smart City-Akteur*innen”, nannte Lindner ein Beispiel. “Standards geben vielleicht nicht vor, wie etwas zu tun ist, aber sie können Städten eine Orientierung bieten, sich einem Thema zu nähern”, so Bagner. Umso wichtiger sei es, diese Standards übergeordnet zu diskutieren. Dem stimmte auch Heil zu. “Wenn ich meine Stadt so konzipiere, dass ich Rohstoffe zurückgewinnen kann, dann kann ich die Stadt als Materiallager begreifen. Und dabei spielt auch die Digitalisierung eine große Rolle, weil ich das Material-Kataster irgendwo erfassen muss”, sagte sie. Auch für München auf dem Weg zur nachhaltigen Stadt spielten digitale Prozesse eine enorme Rolle, so Illigmann, beispielsweise im Zuge einer digitalen Verwaltung sowie den Themen Mobilität, Bauen und Wohnen.

mehrere Speaker*innen am Bildschirm

Aufbruchstimmung ist spürbar

 

Letztendlich boten die verschiedenen Foren vor allem eines: Neue Denkanstöße gepaart mit konkreten Umsetzungsmöglichkeiten. Unternehmen, Städte oder Gemeinden, die ihre Prozesse nach C2C umgestalten möchten, haben die Chance, durch den Zugriff auf entsprechende Informationen und Foren, dies auch tatsächlich zu tun. Der C2CC21 zeugte abermals von einer Aufbruchsstimmung. Das Interesse an C2C ist groß wie nie, und der Wille zur Umsetzung auch. Das macht Hoffnung auf eine positive Zukunft, in der Klimagerechtigkeit und Lebensqualität durch C2C-Lösungen gesichert werden.