Text: Sean Low
Ein Messestand ist wie ein Feuerwerk. Wochenlang geplant, leuchtet er ein paar Tage und alle schauen hin. Dann ist es auf einmal vorbei und nach dem Glanz bleibt: der Rest. Beim Abbau sieht man, wie viel das ist. Wände werden zerlegt, Böden aufgerissen, Kabel gekappt. Was bis eben noch Stand war, wird klein geschlagen und landet im Container.
Auf der IFA 2026 waren wir mit der C2C Electronics Initiative vertreten, unter dem Motto „Reimagine Electronics. Circular by Design.” Wer fordert, dass Elektronik von Anfang an für den Kreislauf gestaltet wird, kann schlecht einen Stand bauen, der nach fünf Tagen im Container landet. Also haben wir beim Stand selbst angewendet, wofür wir auf der Messe geworben haben.
Wie groß das Problem ist, zeigt ein Blick nach Nordamerika: Eine Studie über die B2B-Messebranche in den USA und Kanada beziffert den Abfall in Messehallen und Lagern für das Jahr 2019 auf 114.000 Tonnen. Mehr als die Hälfte davon landete auf der Deponie. Dass es auch anders geht, zeigt unser gemeinsamer Stand mit Shift.
Wenn das Geschäftsmodell fehlt, überlegen wir uns selbst was
Messebau ist für einen Moment gemacht. Sonderanfertigungen und Einmaldrucke sind die Norm, nicht die Ausnahme. Das liegt meist nicht an fehlendem Willen, sondern daran, wie Ausschreibungen zugeschnitten sind. Ein Standbau-Unternehmen bekommt ein Budget für eine Messe, nicht für zehn. Was nach dem Abbau mit dem Material passiert, ist in der Regel nicht Teil des Auftrags.
Genau da haben wir bei unserem Standdesign angesetzt. Für uns war klar: Bauteile müssen sich sauber voneinander trennen lassen. Sie müssen so gestaltet sein, dass wir sie problemlos abbauen und wiederverwenden können und sie nicht als Müll auf der Deponie landen.
Die Grundlage dafür bildet bei uns ein Aluminiumgestänge von Shift, das sich je nach Messeauftritt neu zusammensetzen lässt und über Jahre im Einsatz bleibt. Der für den entsprechenden Anlass bedruckte Stoff mit Randwulst wird in die Profilnut des Aluminiumrahmens eingezogen, nicht verklebt und nicht getackert. So lässt sich das Motiv immer wieder austauschen und die Konstruktion je nach Standgröße anpassen. Die Textilwände bestehen aus recycelbarem Polyester. Bevor sie zum Hersteller zurückgehen, der sie dem Recycling zuführt, setzen wir die Drucke bei eigenen Veranstaltungen weiter ein.
In der Regel wird Messeteppich verlegt, verklebt und nach wenigen Tagen wieder herausgerissen. Die britische Organisation isla hat mehr als 6.400 Materialeinträge von 789 Events aus dem Jahr 2025 ausgewertet. Das Ergebnis: Teppich ist das Baumaterial mit den höchsten Emissionen, und 78 Prozent davon werden nur ein einziges Mal genutzt. Bei den Grafiken verursachen Standard-Banner die höchsten Emissionen. Die Teppichfliesen von Shift sind seit über zehn Jahren im Einsatz, und die Drucke lassen sich austauschen und weiterverwenden. So verbraucht jeder Auftritt weniger Material, und die Grundausstattung hält deutlich länger.
Wiederverwenden ist der erste Schritt. Cradle to Cradle fragt aber weiter: Welche Materialien sind für diesen Einsatz überhaupt geeignet, und was genau steckt in ihnen? Ein Messestand wird angefasst, auf- und abgebaut, transportiert und gelagert. Jedes Bauteil muss am Ende entweder sortenrein in den technischen Kreislauf zurückgeführt oder unbedenklich weiterverwendet werden können. Das Aluminium erfüllt das: Es lässt sich ohne Qualitätsverlust immer wieder einschmelzen. Bei den Textilien muss aber zusätzlich auf Druckverfahren und Farben geachtet werden – nicht nur auf den Stoff. Nicht alles konnten wir schon beantworten. Das ist die nächste Baustelle für unseren Stand.
Nicht alles beim heutigen Messebau muss neu erfunden werden. Das Aluminium gibt es, den Keder gibt es, das Rücknahmesystem gibt es. Alles, was wir an unserem Stand verbaut haben, ist heute bestellbar.
Was fehlt, ist die Infrastruktur drumherum: Lagerplatz, Rücknahmelogistik und Ausschreibungen, die nach der Wiederverwendung fragen. Solange es daran mangelt, bleibt ein Stand, der die Messe überlebt, eine Einzelleistung der Ausstellenden. Das lässt sich ändern. Messeveranstalter können Lagerflächen und Rücknahmesysteme anbieten und in ihren Vorgaben für Ausstellende Kriterien für Wiederverwendung festlegen. Auch isla sieht bei den Veranstaltungsorten eine große, bisher kaum genutzte Rolle, um die Einweg-Routine zu beenden. Wer Standbau ausschreibt, kann von Anfang an fragen, was nach der Messe mit dem Material passiert, und Budgets über mehrere Auftritte planen. Unser Stand ist hoffentlich nächstes Jahr wieder als Vorbild auf der IFA zu sehen – dann sicher in neuer Form.






