Text: Nora Sophie Griefahn & Tim Janßen
Falsch designtes und verwendetes Plastik kostet uns gesunde Lebensjahre – das zeigt eine internationale Studie im globalen Maßstab. Die Analyse betrachtet den gesamten Lebenszyklus von Plastik – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung – und berechnet die Folgen in verlorenen gesunden Lebensjahren. Bleibt alles wie bisher, summieren sich diese zwischen 2016 und 2040 auf 83 Millionen weltweit. Rechnerisch verlieren wir einige Stunden gesunde Lebenszeit pro Person und Jahr – doch die Gesundheitsbelastungen sind ungleich verteilt und betreffen insbesondere Menschen in Produktions- und Entsorgungsregionen.
Laut Studie entstehen die größten Gesundheitsrisiken durch Treibhausgase aus der Herstellung konventioneller Kunststoffe, Feinstaub bei der Verarbeitung, Verbrennung und Nutzung sowie durch teilweise giftige Chemikalien, die als Weichmacher, Flammschutzmittel oder Farbstoffe eingesetzt werden. Die Folgen von Mikro- und Nanoplastik konnten mangels ausreichender Daten nicht vollständig berücksichtigt werden. Die tatsächliche Gesundheitsbelastung dürfte daher höher sein, so die Autor*innen.
Verglichen wurden sechs mögliche Zukunftsszenarien. Dabei wurde durchgerechnet, was passiert, wenn weniger neues Plastik hergestellt wird, mehr recycelt wird, Abfälle anders behandelt werden, Materialien ersetzt oder mehrfach genutzt werden und sich Energieversorgung sowie Infrastruktur weltweit verändern. Selbst das ambitionierteste Szenario, „System Change“, das alle Faktoren gleichzeitig einbezieht, senkt die verlorenen gesunden Lebensjahre lediglich auf 2,6 Millionen.
Die Studie weist kritisch darauf hin, dass viele Kunststoffe Zusatzstoffe enthalten, deren genaue Zusammensetzung meist nicht offengelegt wird. Genau hier müssen wir ansetzen: beim Design.Setzen wir vor allem auf Recycling, das versucht, Materialien im Kreislauf zu halten, die nie dafür gedacht waren, und auf Reduktion, werden wir – wie auch die Studie zeigt – nur eine Schadensminderung erreichen, aber keine wirkliche Lösung. Wir optimieren häufig das Bestehende, anstatt Dinge richtig zu gestalten, und machen sie damit perfekt falsch. Statt etwa Autoreifenabrieb so zu entwickeln, dass er keinen Schaden anrichtet, wurde er immer feiner und gelangt als Mikroplastik in die Umwelt. Solche Partikel lassen sich inzwischen auch im menschlichen Gehirn nachweisen. Es braucht kreislauffähige Monomaterialien, trennbare Bestandteile und Inhaltsstoffe, die bereits in der Entwicklungsphase auf Materialgesundheit geprüft werden.
Die Studie nimmt zudem gesetzliche Rahmenbedingungen in die Pflicht, um die Gesundheitsbelastung weltweit zu reduzieren. Doch nun wurde in Deutschland das Aktionsprogramm, das neuen Schwung in die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie bringen sollte, zum dritten Mal verschoben. Währenddessen läuft die Erweiterung unseres C2C LAB auf Hochtouren. Mit dem neuen Community Hub rücken wir genau diese Fragen in den Mittelpunkt. Statt zu warten, zeigen wir, wie viel sich bereits mit Blick auf Materialgesundheit umsetzen lässt.


