Als sich am 19. März die Türen des C2C LAB öffneten, lag spürbare Aufbruchsstimmung in der Luft. Über 200 Gäst*innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft kamen zum diesjährigen Frühjahrsempfang von Cradle to Cradle NGO – und zur feierlichen Eröffnung des neuen Community Hubs. Der erweiterte Bereich im C2C LAB ergänzt Geschäftsstelle, Bildungszentrum und Reallabor der NGO um einen Ort für Austausch, Zusammenarbeit und Begegnung.
„Mit dem Community Hub öffnen wir das C2C LAB noch stärker als Plattform für gemeinsames Handeln“, sagte Nora Sophie Griefahn, Geschäftsführende Vorständin von Cradle to Cradle NGO. „Der Raum steht für Veranstaltungen, Workshops und Begegnungen bereit. Hier entwickeln sich neue Kooperationen, Projekte und Ideen für eine Wirtschaft mit positivem Mehrwert.“
Genau das macht Cradle to Cradle aus: Es geht nicht darum, weniger schlecht zu handeln, sondern einen positiven Fußabdruck zu hinterlassen. Das zeigte sich auch während des Abends immer wieder – C2C ist mehr als Effizienz oder Müllvermeidung. Es ist die Frage, wie wir künftig leben und wirtschaften wollen.
Ein Raum für Wandel und Dialog
Mit dem neuen Community Hub entsteht im Herzen der Hauptstadt ein Ort, an dem Zukunftsideen nicht nur gedacht, sondern umgesetzt werden. Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, würdigte in ihrem Grußwort den Hub als wichtigen Schritt für Berlin und betonte, dass es Orte wie das C2C LAB brauche, an denen Menschen Zukunft aktiv gestalten – ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.
Berlin hat viele engagierte Köpfe, doch häufig fehlt eine gemeinsame Anlaufstelle, an der Ideen weiterentwickelt und in die Praxis überführt werden können. Der Community Hub schließt diese Lücke – und macht Erfahrungen aus konkreten Projekten für die Stadt und darüber hinaus nutzbar. Seine Signalwirkung reicht über Berlin hinaus und setzt Impulse für zirkuläre Zusammenarbeit deutschlandweit.
Antje von Broock, Leiterin der Abteilung für Kreislaufwirtschaft, Immissionsschutz und Chemikaliensicherheit im Bundesumweltministerium, unterstrich die Bedeutung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie für den Wirtschaftsstandort Deutschland; auch mit Blick auf Nachhaltigkeit und Resilienz. Orte, wie das C2C LAB und der Community Hub, an denen neue Ideen ausprobiert und weiterentwickelt werden können, seien dabei wichtig.
Das LAB als Reallabor: Leuchtturm für zirkuläres Bauen im Bestand
Wer beim Frühjahrsempfang durch das C2C LAB ging, konnte unmittelbar erleben, was positive Transformation nach Cradle to Cradle bedeutet. Der ehemalige Plattenbau in der Landsberger Allee wurde bereits 2018 im ersten Ausbauschritt vollständig saniert und zu einem Reallabor für zirkuläres Bauen umgestaltet.
„Unser C2C LAB, der erste nach Cradle to Cradle-Kriterien sanierte DDR-Plattenbau, wächst mit dem Community Hub auf 500 m². Damit machen wir noch mehr Materialien, Produkte und Bauweisen nach Cradle to Cradle sichtbar“, erklärte Tim Janßen, Geschäftsführender Vorstand der NGO. „Für Unternehmen und Handwerk war der Umbau ein echtes Reallabor, in dem innovative, materialgesunde und zirkuläre Lösungen erstmals erprobt wurden und nun den Weg in die breite Anwendung finden.“
Mit der jüngsten Erweiterung hat sich die Zahl der eingesetzten Produkte und Systeme verdoppelt. Rund 100 Unternehmen haben Produkte, Materialien und Dienstleistungen eingebracht, die im Gebäude verbaut oder im Betrieb erlebbar sind.
Diese Vielfalt machte auch auf der Bühne Eindruck: Innenarchitektin Julia Sickermann, Guido Graul von HPP Architekten und Gerald Fulst von der Ingenieurgesellschaft Meinhardt Fulst sprachen über ihre Rolle beim Ausbau – von der Innenraumgestaltung über architektonische Planung bis zur technischen Gebäudeausstattung. Insgesamt 20 Partner präsentierten beim Frühjahrsempfang ihre Produkte, Dienstleistungen und Innovationen: vom Akustikpaneel aus Pilzmyzel über schwimmend verlegte Teppichböden bis hin zur Software, die den Materialkreislauf eines Gebäudes digital abbildet.
Beim Ausbau spielte das Handwerk eine entscheidende Rolle. Materialien, die für Kreisläufe designt sind, sind nur dann im Sinne von C2C wiederverwendbar, wenn sie so eingebaut werden, dass sie sich später rückstandslos wieder aus dem Gebäude entfernen oder umnutzen lassen. Bei der Sanierung arbeitete Cradle to Cradle NGO deshalb in einer Bildungskooperation mit dem Malerfachbetrieb Schippers & Söhne zusammen. Rund zehn Auszubildende begleiteten den gesamten Umbau – vom Rückbau bis zum Finish.
Pionierarbeit am Boden
In enger Kooperation mit Herstellern und Gewerken hat die NGO drei neuartige, kreislauffähige Bodenaufbauten entwickelt, die herkömmliche Standards herausfordern. Durch den Einsatz von Materialien in neuen Kontexten, die so bisher nicht am Markt existieren, zeigt das LAB, wie durch kreative Kombination von Bestandsprodukten vollständig kreislauffähige Lösungen für ein zukunftsfähiges Bauwesen entstehen. Diese sehen wie folgt aus:
1. Mineralisierte Holzspäne, Holzweichfaserplatten, Natursteintrockenstrich, Linoleumboden
Eine Ausgleichsschüttung aus mineralisierten Holzspänen bildet die Basis. Darauf folgen Holzweichfaserplatten, die den Schall dämpfen und Lasten gleichmäßig verteilen. Anschließend werden Trockenestrichplatten aus Naturstein und Holzleisten verlegt. Diese werden über ein Nut- und Feder-System wie Puzzleteile miteinander verbunden. Die Holzleisten sind dabei mit den darüberliegenden Platten verschraubt. Den oberen Abschluss bilden wieder Holzfaserplatten, die mit holzeigenem Lignin als Bindemittel statt formaldehydbasierten Klebern hergestellt sind. Darauf liegt ein lose verlegter, biobasierter Linoleumboden.
2. Mineralisierte Holzspäne, Schaumglas, Kautschukplane, Holzfaserplatte, Teppichfliesen
Der Bodenaufbau beginnt wieder mit einer Ausgleichsschüttung aus mineralisierten Holzspänen. Darauf liegen Schaumglasplatten aus 100% Recyclingglas, die gleichzeitig die Funktion einer Bodenplatte und der Wärmedämmung übernehmen. Auch hier zeigt sich der Laborcharakter der Sanierung: Da die Belastung im Büro vergleichsweise gering ist, wurde bewusst mit einer reduzierten Aufbauhöhe gearbeitet. Dieses Material wird typischerweise im Fundamentbau verwendet. Es folgt eine dünne, synthetische Kautschukplane, die sonst als Flachdachplane eingesetzt wird und hier im Innenraum neu verwendet wird. Sie dient als Schutzschicht zwischen den Materialien, verhindert Geräusche wie Knarzen und kann nach der Nutzung wiederverwendet oder nahezu sortenrein recycelt werden. Darauf liegen Biofaserplatten aus Holzfasern und Sägereststoffen, hergestellt mit holzeigenem Lignin als Bindemittel. Den Abschluss bilden schwimmend verlegte Teppichfliesen, die stellenweise durch eine dünne Schicht aus synthetischem Wachs selbsthaftend sind.
3. Mineralisierte Holzspäne, Holzweichfaserplatten, Lehmestrich, Klicklaminat
Im größten Raum beginnt der Bodenaufbau ebenfalls mit einer Schicht mineralisierter Holzspäne, die Unebenheiten ausgleicht. Darauf liegt eine Ebene aus Holzweichfaserplatten. Aufgrund der geringeren verfügbaren Aufbauhöhe wurde hier vom Schichtprinzip der anderen Räume abgewichen und stattdessen ein Estrich eingesetzt. Zum Einsatz kommt ein Lehmestrich, der in dieser Form erstmals im Bodenaufbau erprobt wird. Den Abschluss bildet ein schwimmend verlegter Kunststoffboden ohne PVC. Er wird über ein Nut-und-Feder-System verbunden und lässt sich vollständig rückbauen.
Zirkularität im C2C LAB beschränkt sich nicht auf Baumaterialien. Auch Produkte des täglichen Büroalltags – Mietmöbel, C2C-zertifizierte Textilien, biologisch abbaubare Reinigungsmittel oder modulare Elektronikgeräte – sind Teil des Reallabors.
Der Frühjahrsempfang markierte den Auftakt für den neuen Community Hub. Künftig bietet er Raum für bis zu 100 Veranstaltungen pro Jahr – von Workshops über Fachdialoge bis hin zu Netzwerkabenden.
Mehr Informationen zum Community Hub und zu Buchungsmöglichkeiten gibt es hier.


