Seit 2019 ist das C2C LAB – die weltweit erste Sanierung eines Plattenbaus nach Cradle to Cradle – ein Ort, an dem die C2C Denkschule und das Designkonzept praktisch erlebbar werden. Der Ausbau der letzten Monate führt diesen Ansatz fort. Zum NGO Headquarter, Bildungszentrum und Reallabor kommt nun auch ein Community Hub hinzu. Das Handwerksunternehmen Schippers & Söhne hat Cradle to Cradle NGO bei diesem Ausbau um 150 Quadratmeter tatkräftig unterstützt. Im Zuge dessen wurden zahlreiche gesunde und zirkuläre Materialien getestet, neue Verarbeitungstechniken erprobt und überlegt, wie sich die gewonnenen Erkenntnisse in zukünftige Projekte übertragen lassen.
Was besonders gut funktioniert hat, wo noch weiter getestet werden muss und warum das Team von Schippers & Söhne jederzeit wieder Teil eines solchen Projekts sein würde, erzählen sie im Interview.
Warum habt ihr euch entschieden, den Ausbau des C2C LAB zu unterstützen?
Schippers & Söhne: Wir haben uns aus mehreren Gründen dafür entschieden, den Ausbau des Cradle to Cradle LAB zu unterstützen. Zum einen ist es uns wichtig, mit der Zeit zu gehen und offen für neue Wege zu bleiben – gerade das Thema Nachhaltigkeit spielt im Handwerk eine immer größere Rolle. Kreislauffähigkeit ist dabei für uns ein konsequenter nächster Schritt, den wir an bestimmten Stellen bewusst gehen wollten.
Zum anderen hat uns interessiert, in welche Richtung uns dieses Projekt fachlich und betrieblich führen kann. Wir wollten Erfahrungen sammeln, Neues ausprobieren und daraus lernen. Gleichzeitig gibt uns das Projekt die Möglichkeit, künftig noch selbstbewusster auf neue Kundinnen und Kunden zuzugehen, weil wir zeigen können, dass wir bereits mit Materialien und Systemen gearbeitet haben, mit denen sich viele Mitbewerber bisher noch nicht beschäftigt haben.
Welche neuen Materialien, Techniken oder Gestaltungsansätze habt ihr beim Ausbau des LAB getestet? Was habt ihr dabei gelernt?
Schippers & Söhne: Als erstes haben wir mit der Cemwood-Trockenschüttung gearbeitet, die wir zuvor noch nicht in dieser Art verarbeitet hatten. Darauf folgte der Aufbau eines Trockenestrichs aus Schaumglas von der Firma GLAPOR. Im weiteren Ausbau haben wir uns intensiv mit Lehmbaustoffen und Kalkspachtel beschäftigt.
Verbaut wurden unter anderem Lehmbauplatten von Leipfinger Bader, die auf den ersten Blick Ähnlichkeiten mit klassischen Gipskartonplatten haben, sich in der Verarbeitung und Wirkung aber deutlich unterscheiden. Außerdem haben wir eine Mineralwolle-Alternative aus Seegras von Neptutherm kennengelernt sowie Lehmputz von Leipfinger Bader und Kalkspachtel von Keim.
Gelernt haben wir dabei vor allem, dass es sich lohnt, regelmäßig über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Dinge auszuprobieren. Auch wenn nicht alles sofort genauso funktioniert wie mit bekannten Standardmaterialien, lassen sich mit kleinen Anpassungen sehr gute Ergebnisse erzielen. Es gibt durchaus Alternativen in vielen Bereichen – man muss sich nur die Zeit nehmen, sich damit auseinanderzusetzen.
Was begeistert euch am Cradle to Cradle Ansatz besonders? Welche Grundgedanken wollt ihr künftig in eurer eigenen Arbeit verankern?
Schippers & Söhne: Am Cradle to Cradle Ansatz begeistert uns vor allem das breite Spektrum an Möglichkeiten, nachhaltig zu arbeiten – und auch zu leben. Besonders beeindruckend finden wir, dass sich viele Hersteller bereits von Beginn an Gedanken über ihre Produkte machen: über Schadstoffe, über den gesamten Lebenszyklus und darüber, was am Ende der Nutzung übrig bleibt.
Dieser Ansatz zeigt, welches Potenzial noch in vielen Bereichen steckt. Wenn alle etwas umsichtiger handeln würden, ließe sich die Lebensqualität an vielen Stellen deutlich verbessern. Aktuell prüfen wir, welche Maßnahmen für uns im Arbeitsalltag realistisch umsetzbar sind – ohne einen erheblichen Mehraufwand für unsere Mitarbeitenden, aber mit einem klaren Mehrwert für Umwelt und Gesundheit.
Wir sprechen viel mit den Kollegen, geben unser Wissen weiter und versuchen zu sensibilisieren, zum Beispiel beim Thema Bauabfälle. Schon jetzt trennen wir konsequenter und nutzen unter anderem Recycling-Systeme für die Rückführung leerer Farbeimer.
Eure Auszubildenden haben das Projekt tatkräftig mit umgesetzt. Wie wichtig ist es aus eurer Sicht, solche Ansätze bereits in der Ausbildung zu vermitteln?
Schippers & Söhne: Gerade in der Ausbildung ist es enorm wichtig, jungen Kolleginnen und Kollegen frühzeitig neue Denkansätze und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. So können sie über einen möglichst langen Zeitraum davon profitieren und ein Bewusstsein dafür entwickeln, was sich im Arbeitsalltag verändern lässt.
Es geht darum, achtsamer zu werden, Dinge auch mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten und nicht immer nur den einfachsten oder schnellsten Weg zu wählen. Das hat man auf der Baustelle teilweise schon in den Pausen gemerkt: Nach kurzer Zeit wurde bewusster darauf geachtet, was zum Frühstück gekauft wird, wie viel Müll entsteht oder ob Einwegbesteck wirklich nötig ist. Solche kleinen Veränderungen können langfristig eine nachhaltige Wirkung entfalten.
Rückblickend auf das Projekt: Was würdet ihr beim nächsten Mal genauso machen? Was würdet ihr anders angehen?
Schippers & Söhne: Genauso machen würden wir vor allem eines: wieder dabei sein. Gerade in unserer Branche ist es extrem wichtig, auch nach links und rechts zu schauen und mitzubekommen, was sich entwickelt, um fachlich auf dem neuesten Stand zu bleiben.
Anders angehen würden wir vor allem die Vorbereitung. Im Nachhinein hätten wir uns im Vorfeld noch intensiver mit den einzelnen Themen und Materialien beschäftigen und genauer planen sollen. Einige Produkte wurden sehr experimentell eingesetzt, andere haben uns mit ihrer Vielseitigkeit überrascht. Bei einem weiteren Projekt dieser Art würden wir auf jeden Fall ein ausführliches Briefing mit allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen durchführen, damit alle von Anfang an auf dem gleichen Wissensstand sind.
Was braucht es aus eurer Sicht, damit solche Ansätze über einzelne Projekte hinaus Wirkung entfalten und skaliert werden können?
Schippers & Söhne: Aus unserer Sicht müssen Materialhersteller den Ausbau Cradle to Cradle-fähiger Produkte weiter vorantreiben und diese stärker in ihre Produktkataloge integrieren. Nur so können Materialien ausreichend getestet, weiterentwickelt und verbessert werden.
Ein weiterer Punkt ist die Preispolitik: Für viele Endkunden sind die höheren Kosten aktuell noch ein Hindernis, da konventionelle Produkte durch größere Produktionsmengen oft günstiger sind. Umso wichtiger ist es, das Thema sichtbar zu machen. Genau deshalb war auch die Zusammenarbeit mit euch so wertvoll.
Es muss deutlich mehr darüber gesprochen und gezeigt werden, was möglich ist. Wenn Planer, Architekten und Kunden frühzeitig dafür sensibilisiert werden, entstehen eher Aufträge, bei denen bewusst andere Wege eingeschlagen werden – weg von „schnell und billig“ und hin zu mehr Qualität, Nachhaltigkeit und Wohnkomfort.
Danke, dass wir ein Teil dieses Projekts sein durften.
Team Schippers & Söhne


