Während die Welt seit einem Jahr tief in der Corona-Krise steckt, wird der Weltrisikobericht 2021 weiterhin von Gefahren dominiert, die mit dem Klimawandel zusammenhängen: Extreme Wetterphänomene, Versagen im Kampf gegen den Klimawandel und Umweltzerstörung durch Menschen belegen die ersten drei Plätze; erst dann folgen Infektionskrankheiten, die wiederum gefolgt werden vom Verlust der Biodiversität.

Die Corona-Krise verschafft uns zwar eine Vorahnung auf die Folgen des Klimawandels. Doch der Weltrisikobericht zeigt, dass der Begriff „Klima-Krise“ den Klimawandel regelrecht verharmlost. Denn Krisen haben einen riesigen Vorteil: sie gehen vorbei — aber der Klimawandel wird nicht vorbeigehen. Viele seiner Folgen können wir schon jetzt kaum noch verhindern oder nur sehr schwer rückbauen, und wahrscheinlich hat die Erderwärmung noch nicht einmal richtig Fahrt aufgenommen.

Wir dürfen den Klimawandel also nicht als Krise kleinreden, die wir mit Disziplin und Verzicht überwinden könnten — dafür ist sein Impact viel zu groß! Stattdessen müssen wir uns positive Ziele setzen: Wie können wir aktiv daran arbeiten, CO2 in endlosen Kreisläufen zu führen? Wir müssen dem Klimawandel zusätzlich mit einem ganz anderen Verständnis der Welt begegnen: Alle Kreisläufe der Erde sind miteinander verzahnt, und damit eben auch alle Probleme: Klimawandel, knappe Ressourcen, Müll, Artensterben, Krieg, Flucht, Armut, Hunger und nicht zuletzt Krankheiten und Pandemien — alles Folgen dieser Tatsache.

Wir Menschen unterbrechen die natürlichen Kreisläufe des Lebens. Doch nicht nur die Probleme, auch ihre Lösungen hängen zusammen: Wenn wir unsere Wertschöpfungsketten in die Kreisläufe der Erde integrieren, schaffen wir positives Wachstum, und davon können wir nie genug haben. Denn damit können wir ein gutes Leben führen und dabei einen positiven Beitrag zum Ökosystem leisten. Nur wenn wir unsere Intelligenz dazu nutzen, Nützlinge zu werden, können wir den Weltrisikobericht als To-Do-Liste verstehen und abhaken — ohne dabei immer weitere Probleme zu schaffen.